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Haus der Heimat, Wien

Donauschwäbische Arbeitsgemeinschaft in Österreich (DAG)

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Termine

Terminübersicht

           „Not und Brot“
Ein Roman über die Geschichte der Donauschwaben vom Ursprung bis zur Vertreibung und Sesshaftmachung in der neuen Heimat


Die Donauschwaben

Herkunft, Ansiedlung und kolonisatorische Leistung


Die Niederlage des türkischen Heeres in der Schlacht am Kahlenberg (1683) führte nach dem Entsatz von Wien zur stufenweisen Zurückdrängung des osmanischen Herrschaftsbereiches und zur Befreiung des Donauraumes. Die mit großen Opfern und unter Beteiligung von königstreuen Ungarn und Kontingenten der Militärgrenze erfochtenen Siege der kaiserlichen Armeen unter fähigen Truppenführern (Karl von Lothringen Ludwig von Baden, Prinz Eugen von Savoyen) bildeten nach 160jähriger Türkenherrschaft die Voraussetzungen für den Wiederaufbau. Wien hatte sich 1683 nicht nur als Bastion gegen die Expansion der türkischen Militärmacht bewährt, sondern wurde auch zum Ausgangspunkt eines politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Wiederaufbaues bis in die äußersten Tiefen des ungarischen Raumes. Noch mitten im Kriege wurde für die Erarbeitung von Vorschlägen eine Kommission eingesetzt, zu deren Spitze am 29. Juli 1688 Kardinal Kollonitsch (1613 -1707), damals Bischof von Raab (Györ), berufen wurde. Dieser legte das ,,Einrichtungswerk des Königreichs Ungarn in Sachen des status politici, cameralis et bellici“ am 15. November 1689 Kaiser Leopold I. vor: ,,Vor allem die Wiederbevölkerung der volklosen Gebiete, besonders der neuerworbenen, sei anzustreben. Viele Menschen seien im Türkenkrieg, teils niedergehauen, teils fortgeschleppt worden.“ Das Primäre sei also die Populierung, denn ,,ubi populus ibi obulus“ (,,Wo Volk, da Geld“). Es handle sich um die rechte Weise, das Land zu bevölkern, nämlich durch freundliche Einladung an fremde Völker, sich in Ungarn anzusiedeln. Noch 1689 wurde das erste habsburgische Impopulationspatent zur Wiederbevölkerung des ,,abgeödeten Erbkönigreichs Hungarn“ erlassen. 1722/23 richteten die ungarischen Stände auf dem Landtag zu Pressburg an Karl VI. die mit Gesetzeskraft ausgestattete Forderung, ,,dass freie Personen jeder Art ins Land gerufen werden, die von jeder öffentlichen Steuer für sechs Jahre zu befreien sind...“


Der Monarch wurde gebeten, entsprechende Patente im römischen Reich und auch in anderen benachbarten Ländern verlautbaren zu lassen. Das Kolonisationswerk wurde auf friedlichem Wege und im Einverständnis mit den Landgebern – ja sogar aufgrund ihres ausdrücklichen Wunsches – in Angriff genommen und durchgeführt. Die Einwanderer folgten dem Ruf der ungarischen Stände und Grundherren. Unter den Siedlern aus mehreren Völkern waren jene deutscher Herkunft eine wichtige und von Hofkammer und Grundherren bevorzugte Gruppe. Im Laufe des 18. Jahrhunderts gelangten über 150.000 Einwanderer aus verschiedenen deutschen und österreichischen Territorien in die Siedlungsgebiete Ungarns in seinen damaligen historischen Grenzen. Für diese Ansiedler und deren Nachkommen hat die Völkerkunde später (1922) die Stammesbezeichnung,,Donauschwaben“ geprägt, da viele Auswanderer der ersten Stunde aus Schwaben kamen, das damals zu den vorderösterreichischen Gebieten gehörte. Träger der Kolonisation waren zunächst private ungarische Grundherren, die deutsche Bauern auf ihren wüsten Ländereien ansiedelten, um aus diesen Nutzen ziehen zu können. Im späteren Verlauf des 18. Jahrhunderts nahm in diesen Abläufen die zentrale staatliche Planung des absolutistischen Zeitalters immer mehr eine Monopolstellung ein.


Die Festlegung der Ansiedlungsbedingungen, die Leitung des Ansiedlerstromes und die Betreuung der Kolonisten, die Planung der Dorfanlagen und Kolonistenhäuser wurden von der kaiserlichen Hofkammer in Wien und der ungarischen Hofkammer in Pressburg vollzogen. Die Einwanderungen, die sich über das ganze 18. Jahrhundert erstreckten, erreichten in den Jahren 1723 bis 1726, 1764 bis 1771, und 1784 bis 1787 drei Höhepunkte. Statt dem vermeintlich gelobten Land, wie es ihnen die Werber ausgemalt hatten, erwarteten die Einwanderer, vor allem in der Frühphase der Kolonisation, in der sumpfigen Tiefebene und in den Bergwerken und Schmelzbetrieben des Berglandes harte Lebensbedingungen, die Generationen hindurch Anforderungen an sie stellten, denen viele Familien durch Seuchen, Krankheiten und Entbehrungen zum Opfer fielen. Die Entstehung von zahlreichen neuen, sauberen und gepflegten Dörfern, eine beträchtliche Steigerung der landwirtschaftlichen und gewerblich-industriellen Produktion, und, im Zusammenhang damit, die Vermehrung der Staatseinnahmen waren als ein positives Ergebnis konsequent verfolgter Siedlungspolitik zu verzeichnen.


So wurden die Voraussetzungen geschaffen, dass sich die pannonische Tiefebene unter wesentlicher Mitwirkung der Siedler des 18. Jahrhundert und ihrer Nachkommen zur ,,Kornkammer der Donaumonarchie“ entwickeln konnte. Von einer Tendenz zu germanisieren, wie zeitgenössische Polemiken gelegentlich meinen, kann bei diesen Siedlungsaktionen Österreichs keine Rede sein. Es waren entsprechend den Lehren des Merkantilismus bzw. Kameralismus und etwas später des Physiokratismus stets Gründe der Zweckmäßigkeit und der Staatsräson, die zur Berufung von Kolonisten, Beamten, Handwerkern, Facharbeitern und Kaufleuten aus deutschen und österreichischen Territorien führten. Die Einwanderer im Banater Bergwerksdistrikt waren zum größten Teil Bergleute, Schmelzer, Köhler, Forst- und Holzfachleute, die schon bald nach dem Ende der Türkenzeit und später ins Banater Erzgebirge gerufen wurden, um die daniederliegenden Kupfer-, Silber- und Eisenbergwerke sowie die dazugehörigen Hütten wieder in Betrieb zu setzen.


Die meisten von ihnen kamen aus den österreichischen Alpenländern (Tirol, Steiermark, Oberösterrreich und Kärnten). Durch ihre Pionierleistungen schufen sie die Grundlage für die Entstehung der größten Hütten- und Industrieregion Südosteuropas im 19. Jahrhundert mit Steinkohlenbergbau sowie Montan- und Maschinenbauindustrie. Ihre Leistung kann der kolonisatorischen Arbeit der Bauern, die das versumpfte aber fruchtbare Land zu einer Kornkammer umwandelten, würdig an die Seite gestellt werden. Reschitz, Steierdorf-Anina, Franzdorf, Weidenthal, Wolfsberg und Lindenfeld sind oder waren die wichtigsten Ansiedlungen der vornehmlich aus dem steirischen und oberösterreichischen Salzkammergut sowie dem Böhmerwald stammenden Berg- und Forstleute. Den neuen Bauern war der Übergang von der ungeordneten Feldgraswirtschaft, von einer Viehwirtschaft mit halbwilden Herden auf sumpfigem Steppenboden zu einem modernen Ackerbau zu verdanken. In rückschauender Betrachtung waren auch für den Wiederaufbau der Städte, für die Entwicklung von Handwerk, Industrie und Bergbau der Fleiß und die Kenntnisse der Bürger, die von den Habsburgern ins Land gebracht wurden, schlechterdings unentbehrlich.


Der Spruch des donauschwäbischen Dichters Stefan Augsburger/Ronay, mit dem er das Wesen seiner Landsleute charakterisiert, behält also seine Gültigkeit, wenn es da heißt: ,,Nicht mit dem Schwert, mit der Pflugschaar erobert, Kinder des Friedens, Helden der Arbeit“. Die Entstehung eines neuen stammesspezifischen, den ganzen Siedlungsraum umfassenden Bewusstseins der Kolonisten kam indes nur langsam voran, und dementsprechend konnten sich auch der Wille und die Kraft zu gemeinsamen Handeln als tragender Volksgedanke erst spät durchsetzen. Allmählich entwickelte sich bei den verschiedene Mundarten sprechenden Siedlern aus unterschiedlichen Herkunftsgegenden ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das aber vorerst auf die Dorfgemeinschaft beschränkt blieb.


Doch waren die Gemeinsamkeiten in Herkunft, Sprache, Tracht, Kultur und Überlieferung später auch auf überregionaler Ebene wirksam, so dass sich die an Einheit und Selbstbewusstsein über ein ganzes Jahrhundert nur langsam ausformende Stammesgruppe im Großen und Ganzen zäh und festbehaupten konnte, zumindest in ihrer ländlich- bäuerlichen Komponente. Das 19. Jahrhundert war gekennzeichnet von einer überaus positiven wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung der Dorfgemeinschaften, doch verwehrten widrige Umstände den Donauschwaben die Heranbildung einer eigenständigen geistigen Schicht, da das erstarkende Magyarentum die aus der bäuerlichen Mitte kommenden geistigen Kräfte zum großen Teil an sich zog und assimilierte, wogegen das deutsche Städtebürgertum zu einer Solidarität mit seinen dörflichen Landsleuten nicht fähig oder bereit war, und sich lieber an den ungarischen Adel, die politisch wie gesellschaftlich führende Schicht des Landes, anschloss.


Die Aufteilung des donauschwäbischen Siedlungsgebietes nach dem I. Weltkrieg


Nach der Zerschlagung Österreich-Ungarns im Jahre 1918 wurden die Heimatgebiete der Donauschwaben (ihre Zahl betrug zu jenem Zeitpunkt etwa 1,5 Millionen) ohne Beachtung des von Präsident Wilson für die europäische Neuordnung proklamierten Selbstbestimmungsrechtes der Völker zerrissen und mit jeweils ungefähr einem Drittel ihrer Volkssubstanz unter die Nachfolgestaaten Ungarn, Jugoslawien und Rumänien aufgeteilt. Als ein „Volk in drei Vaterländern“ taten sie sich schwer, eine gemeinsame Identität zu finden. Sie mussten sich mit den neuen politischen Verhältnissen abfinden und in den jeweiligen Staaten ihre eigene Wege gehen. In Wahrnehmung ihrer jeweiligen gruppenspezifischen Interessen gründeten sie unterschiedliche kulturelle, politische und wirtschaftliche Organisationen. Da der überwiegende Teils der österreichischen Donauschwaben aus der an Jugoslawien gefallenen Gruppe stammt, wird in der folgenden Darstellung ihrer Entwicklung ab 1918 ein besonderes Augenmerk geschenkt, zumal die Donauschwaben Rumäniens im Abschnitt „Banater Schwaben“ eine nähere Würdigung erfahren. Die Donauschwaben im 1919 neuentstandenen Staat SHS (ab 1929 „Jugoslawien“) bildeten eine nationale Minderheit von ungefähr einer halben Million Menschen. Jugoslawien hatte als Voraussetzung für seine völkerrechtliche Anerkennung in den Pariser Friedensverträgen den in seinem Staatsgebiet lebenden nationalen Minderheiten in einem Minderheitenschutzvertrag Garantien für eine eigenständige nationale Entwicklung geben müssen.


Da eine verfassungsmäßige Verankerung nicht erfolgte und ein wirksames internationales Kontrollsystem fehlte, wurden die Schutzbetimmungen von den Zentralbehörden weitgehend missachtet. Trotzdem gelang es der deutschen Minderheit in den ersten beiden Jahren ihr Schulwesen vorübergehend zu verbessern, die Grundlagen für den späteren Aufbau eines deutschen Pressewesens zu legen und den ,,Schwäbisch-Deutschen Kulturbund“ zu gründen. 1922 wurde die ,,Partei der Deutschen“ und der später sehr erfolgreiche deutsche Genossenschaftsverband ins Leben gerufen. Das anfängliche Entgegenkommen schwand jedoch bereits nach wenigen Jahren. Die restriktive Schulpolitik Belgrads, das mehrfache Verbot der deutschen Organisationen und andere Maßnahmen verschlechterten die volkspolitische Lage der deutschen Volksgruppe erheblich. Sie begann sich erst in den dreißiger Jahren, nach der Stärkung der internationalen Position des Deutschen Reiches, wieder zu bessern. Mitte 1939 erfolgte nach heftigen volksgruppeninternen Auseinandersetzungen die Ablöse der alten national-konservativen beziehungsweise national-liberalen Kulturbundführung durch die von nationalsozialistischem Gedankengut beeinflusste und von reichsdeutschen Stellen geförderte „Erneuerungsbewegung“. Die Gruppe der „radikalen Erneuerern“ bestand nur aus wenigen Personen. Dr. Sepp Janko, ein „gemäßigter Erneuerer“, wurde mit Unterstützung der „Volksdeutschen Mittelstelle“ (VOMI), einer Dienststelle im SS-Hauptamt in Berlin, Obmann des Kulturbundes und trat an die Spitze der deutschen Volksgruppe. Eine ähnliche Entwicklung ist in Ungarn zu verzeichnen, wo der „Volksbund der Deutschen in Ungarn“ mit Dr. Franz Basch die Führung der ungarndeutschen Volksgruppe nach dem Tod von Dr. Jakob Bleyer übernahm.


Als Opposition zur Erneuerungsbewegung in Jugoslawien entstand eine katholische Gegenbewegung, die von der Katholischen Aktion getragen wurde. Ihr theologisch-politischer Wortführer war Pfarrer Adam Berenz, der in seiner Wochenzeitung „Die Donau“ von 1935 bis 1944 einen heftigen ideologischen Kampf gegen die antichristlichen Auswüchse der ,,neuen deutschen Weltanschauung“ führte, wie sie von den radikalen Erneuerern vor allem in der Zeitung „Volksruf“ propagiert wurde. Das Verhältnis der Masse der Donauschwaben zum Nationalsozialismus als Weltanschauung war uneinheitlich. Zwischen den wenigen ideologisch ausgerichteten, radikalen Anhängern und kompromisslosen, meist stark religiös orientierten Gegnern gab es verschiedene Schattierungen: darunter solche, die meinten, das Eintreten für das eigene Volk sei schon Nationalsozialismus, weiters einfache Bewunderer Hitlers infolge seiner politischen Erfolge, aber ohne Bindungen an seine Ideologie, und schließlich die Skeptiker, die sich unentschlossen distanziert verhielten. Der nach dem Putsch von achsenfeindlichen Generälen in Belgrad am 6. April 1941 ausgelöste Angriff Deutschlands und seiner Verbündeten auf Jugoslawien endete am 18. April 1941 mit dessen bedingungsloser Kapitulation. Entgegen einiger anderslautenden Dastellungen verhielt sich die deutsche Volksgruppe Jugoslawiens ihrem Heimatstaat gegenüber gesetzeskonform. Auch entbehrt die Behauptung vom Agieren der deutschen Volksgruppe als ,,Fünfte Kolonne“ gegen ihren Heimatstaat jeder sachlichen Grundlage. Infolge der Aufteilung Jugoslawiens nach dem Aprilkrieg geriet die deutsche Volksgruppe unter die Oberhoheit des Unabhängigen Staates Kroatien (Syrmien und Slawonien), Ungarns (Batschka und Baranya) und des unter deutscher Militärverwaltung stehenden Serbiens (Westbanat). Die großen Verluste der Waffen-SS nach dem Angriff Deutschlands auf die Sowjetunion veranlassten den Reichsführer-SS, Heinrich Himmler, auf die wehrfähigen Männer der Südostdeutschen zurückzugreifen.


Er verfügte im Sommer 1942, dass für die Auslandsdeutschen ,,zwar nicht gesetzlich, aber aus dem ehernen Gesetze ihres Volkstums heraus Wehrpflicht“ bestehe. So wurden 1942, 1943 und 1944 die ungarische und kroatische, 1943 auch die rumänische Regierung unter Druck gesetzt, mit dem deutschen Reich zwischenstaatliche Abkommen zu schließen, in denen diese Staaten zustimmten, dass ihre deutschstämmigen wehrfähigen Bürger zum deutschen Heer, vornehmlich aber zur Waffen-SS, eingezogen werden konnten. Um völkerrechtlich gedeckt zu sein, deklarierte die SS-Führung die Rekrutierungen als Freiwilligen-Aktionen und erklärte die Soldaten zu deutschen Staatsangehörigen.



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Donauschwäbische Siedler bei der Zuteilung der aus Lehm gestampften Häuser. Gemälde von Stefan Jäger

Gemälde von Sebastian Leicht

Donauschwäbischer Treck auf dem Fluchtweg durch Westungarn